
Der Hotel-Direktor und die "Arschbohrer"
Wir denken uns einen erfolgreichen Hotel-Direktor. Er gewinnt Auszeichnungen, liefert dem Konzern gute Zahlen, schafft einen Mehrwert.
In den Sommerferien hat er anstrengende Gäste: Eine Gruppe Jugendlicher lärmt, randaliert, belästigt Gäste, vergreift sich im Pool an mehreren einzelnen Kindern, um diesen einen sog. "Arschbohrer" zu geben: Kleine, einzelne Kinder werden von mehreren Jugendlichen festgehalten, während ein anderer fest ein / zwei Finger durch die Badeshorts ins Poloch drückt. Wiederholt. Bei mehreren Kindern.
Explizit gegen deren Willen. Das ist für die kleinen Kinder schmerzhaft, verängstigend, verstörend.
Ein im Hotel beschäftigter Kampfsport-Trainer stellt daraufhin die Eltern und Jugendlichen zur Rede, auch mit Führungskräften des Hotels. Die Taten werden von den Jugendlichen und auch von deren Eltern bestätigt. Es sei ein Missverständnis gewesen und komme nicht mehr vor.
Einen Tag später randaliert dieselbe Gruppe im Restaurant. Zwei Jugendliche zücken ihre Mobiltelefon-Kameras und filmen wie ein Dritter einem Jungen die Hosen runterzieht. Der Trainer (vom Vortag sensibilisiert) kommt dem hosenlosen Jungen zu Hilfe. Die Jungs flüchten, bis auf einen, den der Trainer zur Rezeption führt, um ihn der Hotelleitung zu übergeben und einen Bericht zu schreiben. Außerdem fragt er nach der Zimmernummer. Hierbei lügt der Jugendliche, wie sich später herausstellt.



Am nächsten Tag erklärt der erfolgreiche Hotel-Direktor dem Trainer, dass man in seinem Club niemanden anfassen dürfe (#1). Er droht dem Trainer mit sofortigem Rauswurf und zukünftigem Hausverbot in allen Hotels der Marke. Er habe das schon oft durchgesetzt. Er habe beste Beziehungen zur Geschäftsführung in der Zentrale. Weitere Drohungen folgen, aber keine Entschuldigung bei den Opfern.
Der Trainer und seine Angehörigen dürfen nun mit niemandem mehr reden. Die Angestellten des Hotels gehen dem Trainer und seinen Mitreisenden aus Angst um ihren Job aus dem Weg. Das Kommunikationsverbot nutzen die Jugendlichen aus und randalieren weiter bis zur Abreise. Sie zerstören, stehlen, belästigen, obwohl der Trainer mehrfach kostenfreie Deeskalations-Schulungen für das Personal angeboten hat.
Der Trainer informiert sich bei der örtlichen und deutschen Polizei, beim Konsulat sowie deutschen Anwälten. Alle empfehlen eine Anzeige in Deutschland.
Vier Monate später gewinnt der erfolgreiche Hotel-Direktor eine weitere Auszeichnung mit besten Gäste-Bewertungen.
Gleichzeitig stellt sich heraus, dass der Direktor, die Mitarbeiter und auch die Konzern-Zentrale die Identitäten der jugendlichen Täter nicht an die Polizei herausgeben. Der Prozess kommt also ins Stocken.
Was wiegt mehr: Zahlenmäßiger Erfolg um jeden Preis oder
der Schutz eines Jeden?
Eine Gemeinsamkeit mit echten Menschen ist rein zufällig.
#1: Der Trainer hat den Täter gemäß §127 StPO gewalt- und verletzungsfrei zur Rezeption geführt.

